Are you worth fighting for?
LIEBE DAUERT EINE SEKUND

Eine Sekunde. Vielleicht sogar kürzer. Liebe ist für mich kein Zustand, wie beispielsweise eine Haarfarbe, ein Wohnsitz oder eine Jahreszeit. Nichts, in dem man es sich für eine Zeit lang bequem einrichten kann, mit dem man sich arrangieren, anfreunden oder an das man sich gar gewöhnen könnte.

Liebe ist schnell wie ein Blitz, lebendig wie ein Herzschlag. Impulsiv, überraschend und nicht steuerbar. Sie ist wie ein Gedanke, der mir plötzlich in den Kopf schnellt und mich lächeln lässt. Zum Beispiel bei einem langweiligen Montagsmeeting. Oder an der roten Ampel. Oder ich stehe im Supermarkt und muss grinsen – und kaufe dann voller Euphorie ein. Liebe ist für mich nicht die permanente Kuschel-Umarmung auf dem Sofa, sondern zeigt sich mir in dem kurzen Augenblick, in dem man die Arme noch ein bisschen fester zudrückt. Und ohne Worte sagt: „Ich sitze zwar schon seit zweieinhalb Stunden neben dir vor dem Fernseher, aber ich habe gerade an dich gedacht.“

Liebe ist nicht der ganze Song, sondern nur genau die eine Harmonie, bei der einem die Tränen vor Glück in die Augen schießen. Liebe ist nichts, in das man eintaucht und versinkt. Liebe spritzt einen nass. Meine Freundin meinte über meine Theorie der Liebe: „Du beschreibst oberflächliche Strohfeuer. Für mich geht die Liebe viel tiefer. Das ist etwas für die Ewigkeit. Ein zartes Grundgefühlt, das immer da ist.“

Ich finde diese Vorstellung zu romantisch. Man kann doch nicht 24 Stunden am Tag permanent lieben. Man steht doch nicht vor dem Spiegel, starrt voller Zorn auf den knallroten Pickel, der sich gerade am Kinn bereit macht und spürt nebenbei das zarte Gefühl der Liebe. Nein, nein, das ist übertrieben. Wenn man Glück hat, weht dabei ein Hauch Aftershave durchs Bad und lässt das Herz kurz stillstehen. Den Pickel wird man trotzdem nicht vergessen.

Und dass Strohfeuer oberflächlich sind, habe ich inzwischen auch widerlegen können. Sie machen ganz schön warm ums Herz. Mich überraschen sie jetzt seit über drei Jahren und lassen mich mehrmals täglich in den absurdesten Situationen lächeln. Meistens jedoch, wenn ich auf meinen Ehering oder in den Kinderwagen vor mir schaue. Weil ich inzwischen weiß, dass es auch noch die tiefe Freundschaft und Seelenverwandtschaft gibt, die zwei Menschen verbinden können.

(c) aus Glamour Januar 2009: Artikel von Katja)

15.5.10 14:59


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